Vorbemerkungen
Dr. Sylke Kaufmann, Leiterin des Lessing-Museums
„Theophrast, Plautus und Terenz waren meine Welt, die ich in dem engen Bezirke einer klostermäßigen Schule, mit aller Bequemlichkeit studierte - - Wie gerne wünschte ich mir diese Jahre zurück; die einzigen, in welchen ich glücklich gelebt habe.“
Lessing, Schrifften. Dritter Teil, Vorrede, 1754
1754 erinnerte sich Lessing an die Jahre intensiven Lernens, die er auf der Fürstenschule St. Afra in Meißen verlebt hatte. Die Grundlagen seiner profunden Kenntnis der antiken Autoren waren schon in dieser Zeit gelegt worden. Doch Lessing sollte sich zeitlebens mit der Antike beschäftigen, wobei er philologischen wie altertumskundlichen Fragestellungen gleichermaßen Bedeutung schenkte. Den antiken Schriftstellern verdankte Lessing zahlreiche Anregungen für seine eigenen Werke. Von den Fabeln bis zu den Dramen sind viele der lessingschen Schriften von der Auseinandersetzung mit der Antike inspiriert. Auf wissenschaftlichem Gebiet führte Lessing einige seiner schärfsten Kontroversen um Fragen, die sich mit Aspekten der Klassischen Philologie bzw. der Altertumskunde befassten. Die Auseinandersetzungen mit Samuel Gotthold Lange und Christian Adolph Klotz festigten Lessings Ruf, ein hervorragender Kenner der Antike zu sein, wiesen ihn freilich auch als wegen seiner rhetorischen Brillanz und Unerbittlichkeit gefürchteten Kritiker aus. Sein „Laokoon: oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie“, die „Briefe, antiquarischen Inhalts“ und die Abhandlung „Wie die Alten den Tod gebildet“ gehören zu seinen wichtigsten Schriften, die sich mit der Antike auseinandersetzen.
Die Lessing-Tage 2011 werden den vielfältigen Bezügen Lessings zur Antike nachgehen. Das Panische NOt-Theater Dresden, das in Kamenz bereits mit seinem „Nathan zu dritt“ begeisterte, wird seine Euripides-Adaption „Iphigenie i. A.“ vorstellen. Das Theater Ansbach gastiert mit einer „Miß Sara Sampson“-Inszenierung. Der ausgewiesene Lessing-Kenner Prof. Dr. Gisbert Ter-Nedden wird in seinem Einführungsvortrag den antiken Motiven nachspüren, die Lessing in dem ersten deutschen bürgerlichen Trauerspiel verarbeitet hat.
Der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, Prof. Dr. Max Kunze, wird sich mit Winckelmann und Lessing befassen. Zu diesem Thema erscheint die Aufstellung der originalgroßen Kopie der Laokoon-Plastik wie eine gelungene Ergänzung. Nach Jahren einer für Besucher nicht zugänglichen Zwischenlagerung kann die Plastik nun endlich der Öffentlichkeit wieder präsentiert werden. Ehe sie einmal ihren endgültigen Standort im Lessing-Museum bekommen wird, wird sie zunächst im Lichthof des Rathauses zu bewundern sein. Das Original in den Vatikanischen Museen in Rom gehört zu den berühmtesten Antiken der Welt. Es hat unzählige Literaten und Künstler angeregt und war insbesondere im 18. Jahrhundert Gegenstand vielfältiger ästhetischer Dispute, die nicht zuletzt Lessing mit seinem gleichnamigen Werk bereicherte.
Es fügt sich äußerst glücklich, dass in diesem Jahr auch das Museum der Westlausitz eine Ausstellung zeigt, die sich mit der Antike und ihren Hinterlassenschaften beschäftigt. Auch wenn diese Schau natürlich einen anderen Schwerpunkt als die Veranstaltungen des Lessing-Museums setzt, wird eine gemeinsame Führung der beiden Museumsleiterinnen versuchen, einen Bogen zwischen den aus der Antike überkommenen Relikten und dem Umgang des 18. Jahrhunderts mit dieser für die Entwicklung der europäischen Kultur richtungsweisenden Epoche zu schlagen.
Für Kinder und Jugendliche wird es eine theatralische Ferienwerkstatt mit Utz Pannicke vom Panischen NOt-Theater Dresden geben. Der Schülerschreibwettbewerb konnte dank der bewährten Unterstützung durch die Sachsen-Fahnen GmbH & Co. KG wie bereits im letzten Jahr nicht nur sachsenweit, sondern auch unter Einbeziehung der Lessing-Gymnasien in ganz Deutschland ausgeschrieben werden. Zudem beteiligt sich der Deutsche Journalistenverband Sachsen e. V. in diesem Jahr mit einem Sonderpreis, mit dem der journalistische Nachwuchs gefördert werden soll.
Auch in diesem Jahr werden die Lessing-Tage mit der Verleihung des Lessing-Preises des Freistaates Sachsen eröffnet. Unser Dank gilt erneut dem Freistaat sowohl für sein Engagement für den Preis als auch für seine finanzielle Unterstützung des umfangreichen Programms der Lessing-Tage.
Hinweisen möchte ich noch auf zwei außergewöhnliche Veranstaltungen. Im Vorfeld der Lessing-Tage wird das Lessing-Museum seine neue Dauerausstellung eröffnen, die Leben und Werk des großen Aufklärers auf neue, spannende und unterhaltsame Weise präsentieren wird. Die Lessing-Tage finden mit einer Tagung zum Thema „Lessing und das Judentum im Zeitalter der Aufklärung“, die die Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption in Kooperation mit dem Lessing-Museum durchführt, ihren Abschluss.
Die Mitarbeiter des Lessing-Museums und der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption wünschen den Kamenzern und den Gästen unserer Stadt interessante, amüsante und informative Lessing-Tage 2011!
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